Samstag 12.05.2018

Beginn 15.00 Uhr


Restaurant VA BENE Gäuggelistrasse 60 Chur
ab 15.00 Uhr Rundsendeauflage, Tausch, Kurzvorträge und Infos
Infos und Diskussionen rund um die gesamte Philatelie

ab 16.15 Uhr : Vortrag von Hansluzi Kessler ,Schiers: "Spezielle Erlebnisse und Überraschungen beim Sammeln alter Ansichtskarten, die allerlei Geschichten erzählen und Einblicke in die damalige Zeit geben".

Der Eintritt ist frei

Nachstehend ein Artikel zur Einstimmung auf den Vortrag

 

Spezielle Erlebnisse und Überraschungen beim Sammeln alter Ansichtskarten, die allerlei Geschichten erzählen und Einblicke in die damalige Zeit geben

 

Das Sammeln von Ansichtskarten ist ein Steckenpferd, das immer wieder mit Überraschungen aufwartet. Da es keine entsprechenden Kataloge gibt und niemand weiss, was alles an Litho-, Lichtdruck-, Kupferdruck und Fotokarten je produziert worden ist, hat man grosse Freiheiten beim Suchen, Kaufen und Präsentieren dieser kleinen Dokumente. Wer über genügend Material verfügt, kann daran gehen, ganze Serien einzelner Herausgeber zusammen zu stellen und damit einen Beitrag zum Erkunden des Verlagswesens der damaligen Zeit zu leisten. Nach jahrelanger Sammeltätigkeit gelingt es immer besser, einzelne Exemplare dank gewisser Stilelemente schon auf den ersten Blick einem der zahlreichen Verlage zuzuordnen.

 

Die Briefmarken auf den versandten Ansichtskarten sind dabei von untergeordneter Bedeutung, handelt es sich meist um solche, die in grosser Zahl zum Frankieren verwendet wurden. Eine Ausnahme bilden höchstens die UPU-Jubiläumsmarken, die allerdings nicht selten durch Philatelisten abgelöst worden sind. Spannender sind da schon die Abstempelungen, lassen sie doch Abgangs- und Ankunftsort erkennen und geben somit Auskunft über die Reise einer Karte. Speziell amüsant sind natürlich Irrläufer, die ihr Ziel erst nach einer kürzeren oder längeren Odyssee erreicht haben.

Und auch beachtenswert sind die variantenreichen Hotel- und Hüttenstempel in violetter oder roter Farbe als Hinweise auf die Tourismuseinrichtungen, von wo aus die Karten ihre Reise hinaus in alle Welt antraten. Diese Gaststätten und Unterkünfte waren ja auch die Auftraggeber der Fotografen und Graphischen Anstalten einer Zeit, in der das Reisen für weite Teile der Bevölkerung dank Massenverkehrsmitteln wie Eisenbahn, Dampfschiff und Postauto erschwinglich wurde und der Tourismus einen ungeahnten Aufschwung nahm. Diese Betriebe profitierten vom Bestreben ihrer Gäste, allen per Ansichtskarte mitzuteilen, wo sie ihre Ferien genössen. Eine bessere Gratiswerbung hätten sich die Gastgeber nicht ausdenken können. Wenn die handschriftlichen Texte auf den meisten Karten auch kurz waren und kaum allzu Intimes enthielten – das Postfräulein, der Bote und der Posthalter konnten ja lesen – so sind doch viele interessante und oft auch witzige Hinweise zur damaligen Zeit in den knappen Mitteilungen zu entdecken.

 

Was aber die allermeisten Sammlerinnen und Sammler in erster Linie interessiert, ist verständlicherweise die Bildseite der Ansichtskarte. So sammeln viele von ihnen Abbildungen ihres Wohnortes und freuen sich, durch den Vergleich von einst und jetzt den Wandel ihrer Heimat aufzeigen zu können. Andere haben sich auf diverse Motive spezialisiert. Alle freuen sich wohl über das breite Spektrum unterschiedlichster Macharten, was schon damals die Menschen begeisterte. Die Sammelwut, wie sie die frühen Ansichtskarten ausgelöst hatten, ist bis heute einmalig! Und bei jungen Damen füllte sich Album um Album, was durchaus Rückschlüsse auf die Zahl der Verehrer erlaubte und zum Prestige beitrug. In den Zwischenkriegsjahren frönte man der Neuen Sachlichkeit und lehnte die spielerische Jugendstilornamentik als billigen Kitsch ab. Heute werden diese Karten wieder gesammelt, diesmal aber nicht primär von jungen Damen – denen ist ihr Smartphone lieber – sondern eher von kulturhistorisch interessierten Einzelfiguren, von Bibliotheken und Museumsarchiven. 

 

 

Was können nun Entdeckungen und Überraschungen beim Sammeln alter Ansichtskarten sein? Vielleicht Folgendes:

 

Zwei Tage vor Weihnachten taucht im Angebot von Ricardo eine Karte auf, die man zwar nie gesehen hat, von der man aber stets sicher war, dass es sie geben muss!

 

Man ärgert sich über Bleistift- und Tintenlinien auf Fotokarten, ersteht sie des Bildinhaltes wegen trotzdem, liest zuhause den Text … und ist hoch erfreut!

 

Man lernt an einer Ausstellung eine faszinierende Sammlerkollegin aus Italien kennen und ersteigert später eine Engadiner Ansichtskarte, auf der sie als kesses Bikinigirl auf Skiern zu sehen ist!

 

Man gelangt per Zufall in den Besitz der Künstleroriginale, die als Vorlagen für die Herstellung früher Karten gedient haben müssen, die man schon lange in seinen Beständen hat!

 

Man freut sich über Karten, die von ihren Herstellern selber beschrieben und versandt worden sind!

 

Man staunt darüber, wie lange Texte auf einer Karte Platz finden, wenn sie in feiner Handschrift verfasst werden!

 

Man liest amüsiert, was eine Tochter ihrer Mutter über die erste Fahrt des Trams von Altdorf nach Flüelen schreibt!

 

Man entziffert in alter Schrift zu Papier gebrachte Poesie unterschiedlicher Qualität

 

Man lacht herzhaft über unfreiwilligen Humor auf Karten, welche Kinder aus dem Ferienlager nach Hause gesandt haben

 

Dies ist eine kleine Auswahl an möglichen Geschichten, die voneinander unabhängig sind und die ich gerne erzählen möchte. Dies ergibt sicher keinen Sachvortrag, der sich einem einzigen Thema widmet. Vielmehr ist es ein buntes Panoptikum, ein willkürlicher Griff in die Schachtel meiner Sammlung und gerade deshalb repräsentativ für das vielfältige Wesen alter Ansichtskarten. Und sicher vermag das eine oder das andere dem geneigten Publikum ein Schmunzeln zu entlocken. Ich freue mich darauf!

          

 

Eine der ältesten Ansichtskarten von Christian Meisser, Schiers, und die Originalvorlage!

      

 

    

                                                                                        Da fehlt doch noch die Vierte im Bunde!